Haut Longuedoc

27. Mai bis 26 Juni 2011

In den Süden wollten wir fahren, in die das Land der Wärme und der Sonne. Jedoch ist es keine Frage, wie nahe wir der Sonne kommen wollen, sondern wie nah die Sonne uns an sich heran lässt. So erwie sich unser Urlaub dann eher als kalt und nass.

Aus dem Internet suchten wir uns einen Platz für den als einziges Kriterium Ageschiedenheit und Ruhe erfüllt sein mussten. So stießen wir auf die Domain Bélaman. Abgelegen vom Tourismus liegt dieser Platz oberhals der Gemeinde Fraisse sur Agout im Haut Languedoc. Nördlich von Orange verließen wir die Autobahn und zuckelten mit unserem Gespann über Land dem Ziel entgegen. Mit einem Gespann sind die zahlreichen Strassenschwellen schon etwas nervig, denn nach einigen dieser Barrieren konnte man sich vorstellen welcher Zustand hinten im Wohnwagen anzutreffen war. In unseren Köpfen hatte es sich eingebrannt, spätestens abends um sechs beim Rotwein unsere Ankunft zu zelebrieren. Alle Zeichen standen auf grün. Bald begriffen wir, dass unser Ort wirklich im Gebirge liegt. Gittes Gespäche wurden einsilbiger, bis nur noch ihr bedrücktes Schweigen das Auto ausfüllte. Keine Palmen, keine Sonne und auch die restliche Wärme wich von Höhenmeter zu Höhenmeter. Sollten wir als einzig merkbare Grenze gar die Baumgrenze überschreiten?
Dann endlich waren wir am Ziel und irgendwie hatte ich mich mit der Zeit vertan, jedenfalls waren wir zwei Tage zu früh.

Mit Bélaman erwies sich unsere Wahl als ausgesprochen glücklich. Nicht nur, dass Iris und Markus zwei sehr liebe Gastgeber waren, sondern auch Markus' Küche überraschte immer wieder mit den Produkten aus dem eigenen Garten und den eigenen Weiden.

Bisher war uns das Wetter günstig, doch bereits am zweiten Tag kündigte sich das folgende Drama mit Sturm und Regen an. Von nun an sollte sich daran auch nicht mehr viel ändern, und so waren wir froh, wenn es wenigstens tagsüber immer mal wieder ein paar Sonnenstrahlen gab. Dennoch gelang es uns ein paar sehr schöne Touren zu laufen. Immer wieder wechseln sich große Wälder mit Wiesen und golden leuchtenden Ginsterebenen ab. Von den steilen Südrändern des Gebirges öffnete sich der Blick auf schroffe Hänge, an denen die Dörfer teils wie Schwalbennester klebten. Bei günstiger Sicht reichte der Blick bis zum Mittelmeer. Die Wege sind durchweg gut gekennzeichnet und nur auf einer Tour erwischten wir einen falschen Pfad. Menhire und Steingravuren legen Zeugnis der frühen Besiedlung dieser Gegend ab.

War der Regen zu stark, so erkundeten wir die Gegend mit dem Auto. Am Zielort erwies sich die Sonne stets als zuverlässiger Begleiter. So kamen wir nach Albi, dass man keinesfalls versäumen sollte. Die sehenswerte Altstadt wird überragt von dem monumentalen Ziegelsteinbau der Kathedrale Saint Cécile aus dem 12 Jahrhundert. Die Fresken in ihrem Inneren erstrahlen seit nunmehr 700 Jahren unrestauriert in einer unglaublichen Farbigkeit. Aber auch die kleinen Orte und Dörfer, wie z. B. Olargues, Minerve oder Coustorgues überraschen durch immer neue Einblicke.

Abends erwartete uns dann stets ein Menü aus Markus' Küche, nie weniger als vier Gänge und so lecker, dass wir nie auf die Idee kamen, in einem anderen Restaurant zu essen. War es zu kalt, so versammelten wir uns alle, und das konnten schon mal 17 hungrige Münder sein, am großen Esstisch im Haus. Schnell kommt man hier ins Gespräch und in fröhlicher Runde nahm  so manch Liter Wein den unvermeidlichen Weg durch die Kehle.

So gingen die drei Wochen viel zu schnell zu ende. Geblieben sind fantastische Eindrücke einer ausserordentlich abwechslungsreichen Landschaft. Es ist wohl nicht übertrieben. diesen Urlaub trotz des "suboptimalen" Wetters als einen weiteren Höhepunkt unseren Westeuropareisen hinzuzufügen.

Als besonderes Leckerli habe ich ich mir die Option zur Rückkehr im Januar ins Reisegepäck geladen, wenn Iris und Markus seit langer Zeit einmal wieder in den Urlaub fahren und ich zwischenzeitlich ihre Tiere versorge. Als Lohn wünsche ich mir nichts anderes, als ein paar neue Rezepte und Tricks aus Markus' regionaler, bayrisch beeinflußter Küche internationaler Orient-Spezialitäten (häää??!!).

mcd August 2011